Der grüne Hafer, auch Haferstroh genannt, ist in unserer heutigen Zeit ein Mittel, auf das ich nicht verzichten möchte. Stress, Schlafstörungen, Erschöpfung, Suchtprobleme u.v.a. gehören leider zum üblichen Alltag vieler meiner Patienten, und in Zeiten von Mobbing, hoher Arbeitslosigkeit oder Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, kommt er bei mir häufig zum Einsatz. Bei all diesen Problemen steht größtenteils eine Leere im Vordergrund. Hafer stellt ein “Universal-Tonikum” dar, da er sowohl Qi, Yin, Blut als auch Jing tonisiert und den Vorteil hat, dies alles durch seine adstringierenden Eigenschaften auch noch zu halten. Damit vereint er gleich zwei wichtige Aspekte in einer Pflanze. Wenn ich einen Patienten vor mir habe, der z.B. unter einer Kombination von Schlafstörungen und seelischer/nervöser Erschöpfung mit deutlicher Leere-Symptomatik leidet, wird Hafer in meiner Rezeptur auf keinen Fall fehlen. Botanische Beschreibung | ||||||||||||||||||
| Saathafer ist eine einjährige, aufrecht wachsende, bis zu 1,5 Meter hohe
Pflanze mit zwei- bis mehrblütigen Ährchen in Rispen. Die Halme sind glatt,
kahl und hellgrün bis gräulich. Lineal-lanzettliche und lang zugespitzte,
flache Blätter sind zweizeilig angeordnet, die Blattscheide umschließt den
Stengel. Die Körner sind von Hüllspelzen umgeben mit Grannen, die bis zu 4 cm
lang werden können. Hafer blüht bis in den August und damit später als andere Getreidearten. Wahrscheinlich ist er mit der Gerste aus Vorderasien nach Mitteleuropa gekommen. Die Kultivierung erfolgte in der Bronzezeit ab 2000 v. Chr. durch Germanen und Kelten, bei denen der Hafer als das wichtigste Getreide für Ernährung und Tierfutter diente.
Bei den Inhaltsstoffen fallen v.a. extrem viele und ungewöhnliche Mineralien auf. Diese haben u.a. eine erdende Funktion und wirken so beruhigend auf den Shen, sie tonisieren das Blut und wirken z.T. adstringierend. Desgleichen haben die Saccharide eine Milz-tonisierende und dadurch nährende Wirkung. Flavonoide verbessern die Fähigkeit des Blutes zur Sauerstoffaufnahme und „nähren“ es auf diese Weise. Monographie der Kommission E Avenae fructus und herba erhielten eine Negativmonographie mit folgender Begründung: Da die Wirksamkeit nicht belegt ist, kann eine therapeutische Anwendung nicht befürwortet werden. Bei dem Kraut sind keine Risiken bekannt. Bei den Früchten wird eine Überempfindlichkeit gegen Hafergluten in seltenen Fällen angeführt. Vielleicht ist die Wirksamkeit nie über einen längeren Zeitraum untersucht worden. Wir dürfen nicht vergessen, daß bei Indikation für den Hafer eine z.T. erhebliche Leere vorliegt. Bis diese langsam ausgeglichen ist, dauert es eine ganze Zeit, und es fordert die konsequente Mitarbeit des Patienten. Verbreitung – Hafer wird weltweit angebaut. Etymologie – Eine Deutung aus dem Sanskrit leitet ihn von „avi = Schaf“, eine andere von „avasa = Nahrung“ ab. – „Sativus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „gesät, angepflanzt“. Dies bezeichnet Arten, die schon sehr lange kultiviert werden. – „Hafer“ kommt vom althochdeutschen „habaro“. Art der Anwendung/Dosierung Für ein Vollbad: 100-300g mit 2 Liter Wasser 30 Minuten köcheln. Abseihen und dem Badewasser zusetzen. Badedauer: 15-20 Minuten Frischpreßsaft: nach Angaben des Herstellers Tinktur: 20-30 Tr. mehrmals tgl. Es gibt auch eine Tinktur der Firma Alcea (vormals Ceres), von der tgl. nur 2–7 Tropfen genommen werden müssen. Ich bevorzuge diese geringe Dosis, da es doch immer wieder Patienten gibt, die sich zum Frühstücken wenig Zeit nehmen oder erst im Büro etwas essen. Da machen sich auf nüchternen Magen 30 Tropfen Tinktur im Straßenverkehr schon bemerkbar. Energetik alle Funktionskreise Harmonisiert Shen-Störungen durch Leere von Qi, Yin, Blut, Jing · Schlafstörungen · Schlaflosigkeit v.a. durch geistige Überanstrengung · Schlaflosigkeit bei Alkoholikern · Schlaflosigkeit in der Rekonvaleszenz · Angstzustände · Anspannung, Erregung, Ruhelosigkeit · Depressionen · Neurasthenie, nervöse Erschöpfung · Hilfe zur Drogenentwöhnung (Zigaretten, Alkohol,
Tabletten, Rauschmittel · Nach Mißbrauch starker Schlafmittel · Nervöse Beschwerden durch Alkoholismus – tonisiert das
Yin und entgiftet gleichzeitig! · Streßsituationen – läßt mit Streß besser umgehen · Stärkt die Nerven · Bei Sorgen/Angst um den Arbeitsplatz, Krankheit/Tod eines
Angehörigen etc Nährt
Qi, Yin, Blut, Jing · Erschöpfungszustände ·
Schlafstörungen
durch Erschöpfung ·
Kopfschmerzen durch
Leere ·
mangelnde
Konzentration ·
Lähmungsähnliche
Erscheinungen durch Blut-Mangel ·
Neuralgien,
Neuritiden ·
Erschöpfungszustände
wenn Sexualität intensiv ausgelebt wird, sei es in der Pubertät oder sonst ·
Sehr hilfreich in
der Geriatrie ·
Anämie Stärkt
Lungen-Qi ·
Husten durch
Lungen-Qi-Leere ·
krampfhafter Husten
und Keuchhusten – (Vollbad) v.a. bei Kindern gut geeignet; zusätzlich noch eine
Leber-Qi bewegende Pflanze dazugeben, z.B. Kamille oder Lobelia inflata Stärkt
Milz-Qi ·
Appetitlosigkeit –
bitte appetitanregende Bitterstoffe dazu verschreiben, da der Hafer nährt, aber
nicht den Appetit anregt ·
Begleitend bei
Anorexie/Bulimie ·
Bindegewebsschwäche Stärkt
Herz-Qi und nährt Herz-Blut, kühlt Hitze des Herzens ·
kühlt leere Hitze
des Herzens ·
nervöses Herzklopfen ·
Hyperthyreose ·
Hypertonie ·
Einschlafstörungen
durch Herz-Blut-Mangel ·
rheumatische
Endokarditis Stärkt/hält
das Qi von Niere und Blase ·
Bettnässen ·
Blasenschwäche ·
Impotenz ·
Rückenschmerzen,
Knieprobleme ·
nächtlicher
Samenverlust v.a. nach erschöpfender Krankheit ·
wirkt auch
diuretisch – treibt Nierengrieß und -steine Stärkt
und hält das Jing ·
nach sexuellen
Exzessen, die das Jing angegriffen haben ·
fördert
Knochenheilung, -bildung Wind-Erkrankungen
durch Blut-Leere ·
Hautjucken ·
Neurodermitis (auch
als Badezusatz) ·
Morbus Parkinson –
v.a., wenn es Alkoholismus in der Vorgeschichte gibt Kühlt
Hitze ·
Gicht (senkt
Harnsäurespiegel) ·
Hitze-Bi ·
Dermatiden Kombination
mit anderen Pflanzen ·
Hafer ist mit
anderen Pflanzen problemlos zu kombinieren. Hier einige Beispiele für häufig
auftretende Erkrankungsmuster, bei denen Hafer angezeigt wäre Kombinationen
bei Schlafstörungen: ·
Passiflora (Herba
Passiflorae) ->bei Herz-Leere-Feuer ·
Baldrian (Radix
Valerianae) -> bei Herz-Yin-Leere Kombinationen
bei Streß: ·
Eleutherococcus
(Radix Eleutherococci) -> bei Yang-Leere Kombinationen
bei Angstzuständen und Unruhe: ·
Mineralien, die den
Shen beruhigen und erden, z.B. Kalium phosphoricum oder Magnesium phosphoricum
(Schüssler-Mittel) ·
Lavendel (Flores
Lavandulae) -> kühlt Feuer ·
Fenchel
(Semen Foeniculi cont.) -> Blut-Leere ·
Angelika (Radix
Angelicae) -> Blut-Leere Kombinationen
bei Appetitlosigkeit: ·
Wermut* (Herba
Absinthii) -> kühlt · Enzian* (Radix Gentianae) -> wärmt Anschrift der Verfasserin: Andrea Thieck Martin-Luther-Str. 125 10825 Berlin Tel. 030 / 78 71 26 26 © Bitte beachten Sie das copyright des Pflaum
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